Das ehemalige Internat Schloß Plön blickt auf eine traditionsreiche Vergangenheit
Wahrzeichen der Stadt ist das schon von Ferne grüßende Schloss. Die Herzöge zu Schleswig-Holstein-Plön, die 200 Jahre lang in Plön residierten, ließen es während des Dreißigjährigen Krieges auf einem Hügel errichten, an der Stelle einer Burg aus dem 12. Jahrhundert. Es zählt zu den bedeutendsten Renaissancebauten im Lande und ist - nach Gottorf - deren zweitgrößte Anlage.
Die Residenz der Herzöge von Plön (1622–1761)
Seine kulturelle Blüte erlebte das Schloss unter dem letzten Herzog Friedrich Karl ab 1729. Dieser führte eine barocke Hofhaltung und ließ das Schloss im Inneren im Stil des Rokoko ausstatten. Friedrich Karl erweiterte die Anlage um die heute noch vorhandenen Gebäude des Schlossplatzes, den Marstall und das Reithaus, sowie des Gartenschlösschens, des heute sogenannten Prinzenhauses. Das Schloss war Residenz der Plöner Herzöge bis zum Tode Friedrich Karls, der ohne männlichen Erben 1761 starb. Mit seinem Tod erlosch das Lehen und das Herzogtum ging zurück an das dänische Königshaus. Das Gebäude wurde von seiner Frau Christiane Armgardis noch bis zu ihrem Tod 1779 als Witwensitz bewohnt.
Es diente anschließend als Sitz des Amtmannes und außerdem von 1777 bis 1823 als Residenz für den geistig umnachteten Sohn Friedrich Augusts I. von Oldenburg, Peter Friedrich Wilhelm. Der von seinen herzoglichen Pflichten entmündigte junge Mann erhielt das Schloss von seinem Vormund, dem dänischen König Christian VII. zugewiesen und durfte hier über einen großen Hofstaat verfügen. Nach seinem Tod fand die Nutzung des Schlosses als höfische Residenz ein vorläufiges Ende. Ab 1833 wurde eine Gelehrtenschule eingerichtet.
Der dänische Sommersitz (1761–1864)
Ab 1840 war das Schloss die offizielle Sommerresidenz des dänischen Königs Christian VIII. Dazu wurde das Plöner Schloss renoviert und die Ausstattung teilweise im Stil des Klassizismus erneuert. Zu dieser Zeit erhielt es auch den weißen Verputz, der an dänische Schlösser wie Gravenstein und Fredensborg erinnert.
Das Schloss als Kadettenanstalt (1866–1918)
Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 geriet das Schloss in preußischen Besitz. 1868 wurde die Inneneinrichtung entfernt und überwiegend in das Kieler Schloss gebracht, wo sie 1942 nach einem Luftangriff verbrannte. Das Plöner Schloss wurde im Inneren kasernenartig umgebaut und diente anschließend in der preußischen Provinz Schleswig-Holstein als Kadettenanstalt. Die 10 bis 15jährigen Jungen blieben von der Sexta bis zur Obertertia in Plön, bevor sie anschließend zur Hauptkadettenanstalt in Berlin-Lichterfelde wechselten, um dort ihre Ausbildung zu beenden. Die Söhne des deutschen Kaisers Wilhelm II. erhielten ab dem Ende des 19. Jahrhunderts ihre Ausbildung in Plön, und für diese Zwecke wurde das Lustschloss im Garten zum sogenannten Prinzenhaus erweitert, auf der Prinzeninsel ein Lehrbauernhof eingerichtet und vor dem Schloss für die neu verlegte Bahnstrecke der Prinzenbahnhof gebaut. Auf Anregung der Kaiserin Auguste Viktoria erhielt die Schlosskapelle eine neue Ausmalung.
Das Schloss als Napola (1933–1945)
Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Militärschulen durch den Vertrag von Versailles verboten, und das Schloss diente ab 1920 als Staatliche Bildungsanstalt (Stabila). Ab 1933 wurden das Schloss Plön und das darum befindliche Gebiet als Nationalpolitische Erziehungsanstalt (NPEA oder Napola) genau wie die ehemaligen Kadettenanstalten in Potsdam und Köslin für eine „Eliteschule“ der Nationalsozialisten genutzt. Die Napola Plön war mit ihrer Eröffnung am 1. Mai 1933 die erste Napola überhaupt, und wurde nach dem SA-Führer Ernst Röhm benannt. Nach dessen Ermordung 1934 hieß sie nur noch NPEA Plön. Die Schule wurde vom ehemaligen Polizeimajor Hermann Brunk geleitet, der nun den Dienstgrad SA-Standartenführer trug. Am 23. April 1945, noch vor der Einnahme durch die Briten, schloss die Napola.
1945 hielt sich Karl Dönitz für wenige Tage in Plön auf, der hier eine kurzfristig eingerichtete Kommandostelle unterhielt. Vor der Flucht nach Flensburg war das Schloss am 2. Mai 1945 für einen Tag Verwaltungssitz für Teile der Regierung Dönitz'. Beide Weltkriege überstand das Schloss ohne kriegsbedingte Zerstörungen. Danach nahmen britischen Besatzungstruppen in Schleswig-Holstein und Hamburg, zusammengefasst im VIII. Britische Armeekorps unter General Evelyn Barker, ihr Hauptquartier im Schloss.
Das Schloss als Internat (1946–2001)
Ab 1946 wurde mit Genehmigung der britischen Militärregierung im Schloss das Staatliche Internat Schloss Plön für Jungen und Mädchen eingerichtet. Das Internat erstreckte sich über das gesamte Schlossgelände. Das Schloss selbst diente der Unterbringung der männlichen, das Prinzenhaus der Unterbringung der weiblichen Schüler (später kam das ehemalige Lazarett - besser bekannt als "Sextanerheim" hinzu). Das Bootshaus und weitere Nebengebäude wurden von der Verwaltung bezogen. Der Unterricht fand im benachbarten Internatsgymnasium Schloss Plön, dem heutigen Gymnasium Schloss Plön, in der Prinzenstraße statt.
Die Nutzung als Wohnhaus hinterließ Spuren an dem alten Schlossgebäude, das zunehmend sanierungsbedürftiger wurde. Gutachten aus dem Jahre 1986/1988 ergaben, dass die Anlage einen hohen Investitionsbedarf habe und nur durch zweistellige Millionenbeträge vor dem Verfall zu retten sei. Bereits ab 1992 wurde der Verkauf des Schlosses angestrebt und ab 1995 die Nebengebäude veräußert. Der Verkauf wurde notwendig, da sich das Land nicht in der Lage sah, eine denkmalgerechte Sanierung des Hauses durchzuführen
Noch zu Internatszeiten diente das Schloss mehrfach als Kulisse für diverse Filmproduktionen wie zum Beispiel Sieben Tage Frist mit Joachim Fuchsberger oder die Fernsehserie Die Schule am See, die mehrfach in der ARD zu sehen war. Die Schüler des Internats spielten häufig als Komparsen mit. 2001 wurde das Internat geschlossen. Damit endete die 135 Jahre währende Geschichte des Schlosses als Heimat für Erziehungseinrichtungen.
Nach mehreren (angeblich) nicht tragfähigen Planungen für ein Weiterbestehen des Internats erfolgte ein Angebot des Optikunternehmens Fielmann. Der mögliche Verkauf an Fielmann wurde im schleswig-holsteinischen Landtag kontrovers diskutiert und schließlich nach Vorlage eines umfassenden Nutzungsplans, der auch eine Teilhabe der Öffentlichkeit an dem Schloss vorsah, genehmigt. Das Schloss wurde 2002 für 3,6 Millionen Euro an die gemeinnützige Fielmann Akademie veräußert.
Nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten hat die Firma dort eine öffentliche Bildungsstätte für das Augenoptikerhandwerk eröffnet. Die Umbaukosten betrugen rund 28,5 Millionen Euro, das Land Schleswig-Holstein übernahm davon gut 11,8 Millionen Euro. Quellen: NDR/Wikipedia
Weitere Informationen zum ehemaligen Internat Schloß Plön
Wir danken allen Ehemaligen, die uns ihre alten Bücher, Broschüren und Flyer vom und über das ehemalige Internat zugeschickt oder selber eingescannt haben. Diese haben wir alle in unserem zentralen Archiv eingestellt. Ebenso freuen wir uns, daß die frühere Internetseite des Internat Schloß Plön gerettet werden konnte, auch wenn sie dem technischen Standard der heutigen Zeit nicht mehr gerecht wird.
- Internetseite des Internat Schloss Plön
- Flyer (Ende der 90er Jahre)
- Internatsbroschüre (aus den 90er Jahren)
- Internatsbroschüre (aus den 80er Jahren)
Weitere Erinnerungen wie die alte Internatszeitung, Fotobücher und Klassenfotos findest Du in unserer Mediathek.








